Beatrice Winkelmann

Benedict von Nursia

Vermutlich hat der Maler das berühmte Bild des Heiligen von Fra Angelico aus Florenz gekannt und das Gesicht so gut er konnte ‚kopiert’. Benedict hat eine grosse Bedeutung, nicht nur für sämtliche Mönchsorden, die – in verschiedenen Ausprägungen – nach seiner Regel leben, sondern weit darüber hinaus. Sein Grundsatz „bete und arbeite - ora et labora“ ist uns allen nicht ganz fremd. Die rationelle Einteilung des Tages- und des Jahreslaufes, wie wir sie heute kennen, geht stark auf ihn zurück: er hat dem Leben der Mönche Rhythmen gegeben, Arbeitszeit, Gebetszeit, Essenszeit, Ruhezeit, Studienzeit, und sie sinnvoll in den landwirt schaftlichen Jahreskreis eingebaut, denn die Mönche mussten sich selber versorgen. Das hat über die Klöster hinaus das Leben der Menschen geprägt. Zuletzt wurzeln diese Rhythmen in der Natur.

Von diesem Naturbezug sehen wir etwas auf dem Bild: Benedicts Raben mit einem Brotstück, und eine Schlange, die aus einem Kelch hervorzüngelt. Benedict hat vor den Klostergründungen drei Jahre in einer Höhle in der Einsamkeit gelebt. Seither hat ihn ein Rabe begleitet. Über denselben und die Schlange existieren folgende Geschichten: Einmal sandte ihm ein Priester, der ihn als Konkurrenten empfand, ein vergiftetes Brot. Benedict bat seinen Raben, es in Christi Namen wegzutragen, an einen Ort, wo kein Mensch es findet. Aber der Rabe fürchtete sich und gehorchte erst beim dritten Mal, als ihm der Heilige versicherte, dass er es ohne Furcht tun könne… . Ein anderes Mal luden ihn die Mönche eines Klosters ein, ihr Abt zu werden, waren dann aber mit seinen Regeln nicht einverstanden und versuchten ebenfalls, ihn zu vergiften. Doch das Gift entwich nach der Legende als Schlange aus dem Kelch, den sie ihm reichten, und das Gefäss zerbrach, als er das Kreuzzeichen darüber machte.

Der Benedict in der Schlosskirche Münchenwiler häuft gleichsam alle Erkennungszeichen, die er (einzeln) auch sonst bei sich hat. Im 19. Jahrhundert, als das Bild gemalt wurde, war das Benedictskreuz sehr populär. Man schrieb ihm magische Wirkung zu und trug es gern als Amulett und als Zeichen katholischer Gesinnung.

Pfarrer Christian Riniker, 20. März 2011
Bereitgestellt: 23.07.2020