Fünf der Äbte von Cluny sind besonders bedeutend gewesen und heilig gesprochen worden, nämlich der Ordensgründer Odo (um 910), dann die drei Heiligen, welche hier in der Schlosskirche dargestellt sind: Majolus, Odilo und Hugo, Bauherr von Münchenwiler sowie Petrus Venerabilis (nicht dargestellt), der Ehrwürdige, der die Geschicke der Abtei bis 1156 leitete.
Majolus (906 - 994) hat auf dem Bild die rechte Hand geöffnet und vom Himmel streckt sich aus einer Wolke ein Arm herab, der göttliche Arm, und er tropft Geld in diese Hand. Dem Heiligen schreibt man offensichtlich ein Geldwunder zu. Die Deutung dieser aussergewöhnlichen Darstellung ist wohl auf folgende Begebenheit aus dem Heiligenleben zurückzuführen: Bereits während der Zeit seiner Ausbildung in Besançon am Doubs seien die Werke der Barmherzigkeit dem Majolus ein wichtiges Anliegen gewesen. Nun gab es einmal wegen einer Überschwemmung eine Hungersnot. Da habe der Jüngling die ganzen Vorräte seiner wohlhabenden Familie unter den Armen verteilt. Schliesslich hatte er nichts mehr zu geben, trotz aller Tränen und allen Elends. Er ging in den Gebetsraum, den er sich jenseits des Flusses gebaut hatte, um wenigstens für die Armen zu beten. Da sei sein Blick plötzlich auf sieben wertvolle Goldstücke gefallen. Er überzeugte sich durch dreimaliges Gebet davon, dass sie echt sind, und nicht eine Täuschung des Feindes, und stellte sicher, dass sie auch niemand dort verloren haben konnte. Schliesslich nahm er das Geschenk des Segens von oben fröhlich an. Er gab dem Verwalter das Nötigste und verteilte alles andere den Notlei denden, die die Folgen der Katastrophe so überstehen konnten.
Pfarrer Christian Riniker