Beatrice Winkelmann

Odilo von Cluny

Meine Bilder (Foto: Claudia Rickli)

Meine Bilder (Foto: Claudia Rickli)

Der Reichtum Clunys kam vor allem dem Gottesdienst zu gut. Er wurde ausgebaut mit aller Grossartigkeit und Pracht. In der grossen Mutterkirche in Cluny lief er Tag und Nacht, ohne Unterlass, an mehreren Altären gleichzeitig. Ist doch auch der Gottesdienst eine Arbeit – so interpretierte man nun die Regel Benedikts, und sogar die Wichtigste, wie er doch selbst gesagt hat. Hinzu kam das Gedenken für die Verstorbenen: an den Gedenktagen z.B. frommer Stifter oder anderer Auftraggeber hielt man Totenmessen für sie, die diesen nach damaligem Glauben im Fegefeuer zu Hilfe kamen. Die in Cluny zu haltenden Totenmessen füllten ganze Bücher und Kalender. Und damit man niemanden vergisst, für den man auch noch bitten sollte, hat Abt Odilo den Allerseelentag am 2. November eingeführt, der sich in der ganzen Welt verbreitet hat und bis heute begangen wird. Odilo wird deshalb im Mittelalter immer so dargestellt, dass er neben dem Fegefeuer steht und mit seinem Stab armen Seelen aus dem Feuer hinauf zum Himmel hilft. Von diesem mittelalterlichen Totengedenken ist aber nach dem Einschnitt der Reformation im aufgeklärten 19. Jahrhundert nur noch der Totenschädel übriggeblieben, in dem die besondere Bedeutung des heiligen Odilo für die Verstorbenen fortlebt.

Pfarrer Christian Riniker
Bereitgestellt: 23.07.2020